William Tombleson (Künstler) & William Gray Fearnside: «Tombleson’s Upper Rhine» (London: Tombleson & Co, 1832)
Erworben im Jahr 2026
Erworben im Jahr 2026
Das 1832 erschienene Werk «Tomblesons Upper Rhine» steht in der Tradition der malerischen Reiseliteratur, die im 19. Jahrhundert ihre Blütezeit erlebte. Das vom englischen Künstler William Tombleson (1795–1846) geschaffene Werk enthält eine lebendige Beschreibung der Oberrheinregion, ergänzt durch Stahlstiche von 69 Städten, Burgen, Landschaften, Brücken und historischen Denkmälern dieser Region.
Anknüpfend an einen früheren Band, der den Abschnitt von Köln bis Mainz abdeckte, führt dieses Buch von Koblenz aus «in Regionen, in denen der Mensch einen anderen Charakter annimmt und die Natur in strahlenderem Gewand erscheint», weiter nach Süden bis nach Basel, dann weiter nach Schaffhausen entlang des heutigen Hochrheins, zum Bodensee und schliesslich zu den alpinen Quellen des Flusses. Dabei präsentiert Tombleson den Rhein nicht nur als Wasserstrasse, sondern als Kulturlandschaft, die verschiedene Geografien, Gemeinschaften und historische Traditionen miteinander verbindet.
Über seinen Reiz als Reisebuch hinaus ist es eine wichtige visuelle Dokumentation einer Landschaft an der Schwelle tiefgreifender Veränderungen. Die Stahlstiche halten den Rhein und die umliegenden Siedlungen vor der gross angelegten Industrialisierung, den Flussbauprojekten und der Verkehrsinfrastruktur des späten 19. Jahrhunderts fest, die einen Grossteil der Region veränderten. Als solches bietet das Werk wertvolle Zeugnisse vom Erscheinungsbild von Städten, Flussufern, Befestigungsanlagen und ländlichen Landschaften, die seitdem verändert wurden oder gänzlich verschwunden sind.
Ohne die Industrielle Revolution im Vereinigten Königreich wäre das Buch jedoch möglicherweise gar nicht gedruckt worden. Die Revolution hatte einer neuen industriellen Mittelschicht Wohlstand gebracht, die zum ersten Mal über genügend Vermögen verfügte, um Vergnügungsreisen zu unternehmen – zuvor ein Privileg der wohlhabenden Aristokratie. Der Rhein wurde zu einem der angesagtesten Reiseziele Europas, und so bediente das Buch das wachsende Interesse von Reisenden, die begierig darauf waren, die romantische Landschaft und das kulturelle Erbe selbst zu erleben.
Das Buch fügt sich nahtlos in das Sammelprofil der Eisenbibliothek ein. Reiseliteratur ist seit der Gründung ein fester Teil des Bestands: Die Geschichte der Technik und Wissenschaft ist zugleich eine Geschichte der geografischen Erkundung, des kulturellen Austauschs und der Dokumentation von Landschaften, die durch menschliches Handeln geprägt wurden. Tomblesons Werk ergänzt die bestehende Sammlung, indem es eine aussergewöhnlich reichhaltige visuelle und textliche Darstellung eines der bedeutendsten Flusskorridore Europas aus einer eher unbeschwerten touristischen Perspektive bietet.
Bis 1836 war das Klostergut Paradies noch ein aktives Kloster, und Tombleson kam während seiner Recherchereisen für das Buch zweifellos daran vorbei. Auch wenn es in seinen Schriften nicht erwähnt wird, hätte er es heute sehr wahrscheinlich in eine aktualisierte Ausgabe