Folge 23: Das Erinnerungsalbum von Johann Conrad Fischer (1791-1841)

Das Erinnerungsalbum von Johann Conrad Fischer (1791-1841)

Erschienen im März 2022

Das Lieblingsbuch von Artemis Yagou

Artemis Yagou war von Juni bis Juli 2021 Scholar in Residence in der Eisenbibliothek. Sie besuchte die Bibliothek, um die Verbindungen zwischen Johann Conrad Fischer und der Uhrmacherei zu erforschen. Das Ergebnis ihrer Recherchen ist der Artikel «Material expertise and networks: The case of Johann Conrad Fischer (1773-1854)», der in Antiquarian Horology (2022) erscheinen wird.

Die Leserin

Artemis Yagou

... (PhD), ist Historikerin für Design und Technologie. Derzeit ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Museum (München). Ihre Forschungsschwerpunkte sind Designgeschichte, Kulturgeschichte der Technik, Museen, Uhrmacherei, Konstruktionsspielzeug und griechische Sachkultur (18.-21. Jh.). Sie hat zahlreiche Publikationen veröffentlicht, darunter das Buch «Fragile Innovation: Episodes in Greek Design History» (2011) und den Sammelband «Technology, Novelty, and Luxury» (in Vorbereitung, 2022).

Das Buch, in dem ich gerne eine Rolle spielen würde...
...ist «Die Reise der Beagle» von Charles Darwin. Ich bin fasziniert von der Vorstellung, an Bord des Schiffes zu sein, die Aufregung zu erleben, ferne Länder zu erreichen und aus erster Hand eine erstaunliche Vielfalt an Lebensformen zu erkunden.

Die Bücher, von denen ich gerne eine Fortsetzung lesen würde...
...sind die «Ilias» und die «Odyssee» von Homer. Ich stelle mir ein Buch vor, das sich mit dem Leben des Odysseus nach dem Trojanischen Krieg und seinen zehnjährigen Abenteuern bei der Rückkehr auf seine Heimatinsel Ithaka beschäftigt. Wie würde die Vorstellungskraft des Dichters auf die Herausforderung reagieren, das Alltagsleben mit all seinen kleinen Wundern zu beschreiben? Wie würden gewöhnliche, alltägliche Aktivitäten durch poetische Sensibilität und Vorstellungskraft dargestellt und verwandelt werden? Insbesondere enthalten sowohl die «Ilias» als auch die «Odyssee» eine Fülle von Hinweisen auf technologische Erkenntnisse und Erfindungen. Wie würde eine Fortsetzung in Friedenszeiten die zahlreichen technischen Aspekte des Alltagslebens in vorklassischer Zeit beschreiben? Die Beantwortung dieser Frage ist nur einer der Gründe, warum ich mir die Existenz eines solchen Buches wünsche!

Die Bücher, die derzeit auf meinem Nachttisch liegen...
...sind recht vielfältig, da ich gerne viele Bücher parallel lese, je nach meinen verschiedenen Interessen (oder auch Stimmungen an einem bestimmten Tag). Ganz oben auf dem Stapel liegen derzeit die Bücher «About Time: A History of Civilization in Twelve Clocks» von David Rooney und «The Greek Revolution: 1821 and the Making of Modern Europe» von Mark Mazower.

Das Buch

Erinnerungsalbum von Johann Conrad Fischer (1791-1841)

Mein Lieblingsstück aus dem Konzernarchiv der Georg Fischer AG ist kein Buch im eigentlichen Sinne; es ist das Erinnerungsalbum von Johann Conrad Fischer während seiner Gesellenwanderung in den 1790er Jahren. Wenn man in dem kleinen Notizbuch blättert, das einem zeitgenössischen A5-Zeichenblock ähnelt, bekommt man einen sehr lebendigen Eindruck von Fischers Erfahrungen als junger Mann, der durch verschiedene europäische Länder reiste. Dresden, Kopenhagen, London sind nur einige der Orte, die in dem Album erwähnt werden. Menschen, die er auf seinen Reisen traf, schrieben eine Widmung und zeichneten manchmal Skizzen. So zeigt das exquisite Porträt von Fischer, das S. Graenicher 1793 in Dresden mit Bleistift anfertigte, den jungen Gesellen als selbstbewussten Menschen, der die Welt erkunden will. Auch das Porträt des Tischlerlehrlings J.C. Vogler, das vom selben Künstler stammt, vermittelt einen wunderbar detaillierten Eindruck von der Werkstatt eines Handwerkers. Eine Skizze mit ineinandergelegten Händen ist ein «souvenir d'amitié» eines Mannes aus Basel, ebenso wie eine Blumenzeichnung einer Dame aus Kopenhagen. Diese und andere Widmungen sind ein faszinierendes Zeugnis der eher persönlichen Aspekte seiner Reise. Sie ermöglichen es uns, das späte 18. Jahrhundert als eine Zeit der Offenheit und Kreativität neu zu erleben und zu rekonstruieren.