Call for Papers: 43. Technikgeschichtliche Tagung 2023

Gut, haltbar, sicher. Ansprüche an Qualität und Sicherheit von Technik in der Geschichte

17. & 18. November 2023, Klostergut Paradies, Schlatt bei Schaffhausen (Schweiz) 

Am 17. und 18. November 2023 findet im Klostergut Paradies in Schlatt bei Schaffhausen (Schweiz) die 43. Technikgeschichtliche Tagung der Eisenbibliothek (TGT) statt. Sie bietet seit 1978 eine ausgezeichnete Plattform des Austauschs zwischen Forschung, Lehre, Vermittlung und Industrie. Die Referentinnen und Referenten sowie die Tagungsgäste kommen aus Universitäten, Bibliotheken, Sammlungen und Museen oder bringen ihre wirtschaftliche und industrielle Praxis ein. Die Bandbreite der Referate und ihr Aktualitätsbezug zeichnen diese internationale und interdisziplinäre Veranstaltung besonders aus. Informationen zu früheren Tagungen finden Sie hier.

Die Veranstaltung wird von der Eisenbibliothek, einer Stiftung der Georg Fischer AG, organisiert. Für die inhaltliche Gestaltung der Tagung verantwortlich ist der wissenschaftliche Beirat, dem Prof. Dr. Gisela Hürlimann (TU Dresden), Prof. Dr. Friedrich Steinle (TU Berlin) und Prof. Dr. Marcus Popplow (KIT) angehören.

Wir laden Interessierte aus Forschung, Vermittlung und Lehre ein, sich als Referentinnen und Referenten zu bewerben.

Tagungsthema 2023: Gut, haltbar, sicher. Ansprüche an Qualität und Sicherheit von Technik in der Geschichte

Neben Funktionalität und Ästhetik sind Qualität und Sicherheit zentrale Ziele von Technikentwicklung und -produktion. Qualität und Sicherheit sind für den Herstellungsprozess von technischen Anlagen und Produkten ebenso relevant wie für deren Nutzung. Das gilt für die verwendeten Materialien und die Verarbeitungsprozesse ebenso wie für die Endprodukte: von Bauwerken über Fahrzeuge, Maschinenelemente oder Computerchips bis hin zu Lebensmitteln oder pharmazeutischen Wirkstoffen.

Schon im vorindustriellen Gewerbe suchten die Zünfte Qualitätsmassstäbe von Produkten umfassend zu sichern. Im Lauf der Moderne waren nicht nur Hersteller und Unternehmen mit Fragen von Qualität und Sicherheit befasst, diese wurden vielmehr zunehmend gesellschaftlich ausgehandelt. Obrigkeitliche und staatliche Akteure übernahmen Kontroll- und Regelungsfunktionen, die institutionalisiert, standardisiert und juristisch fixiert wurden. Sie reagierten damit auch auf die Klagen und Ansprüche von Nutzerinnen und Verbrauchern. Wissenschaftliche Akteure erstellten Schadensexpertisen ebenso wie Testverfahren für einzelne Technologien. Die Reichweite entsprechender Massnahmen hat sich im historischen Prozess vergrössert: Ging es zunächst um Unfallvermeidung, Sicherstellung effizienter Produktionsprozesse und Kundenzufriedenheit, erweiterten sich die Ansprüche in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf umweltrelevante Aspekte. Diskussionen um Umweltgesetzgebung, die Sicherheit der Kerntechnik oder des Autonomen Fahrens verhandelten auch Fragen der Produkthaftung und ihrer Grenzen. Bei alledem zeigen sich massive Ungleichzeitigkeiten in unterschiedlichen Betriebsformen und Industriezweigen, insbesondere aber im globalen Vergleich. Aktuell stellt sich die Frage, inwiefern etablierte Standards zu Betrieb und Nutzung von Technik angesichts der Klimakrise neu ausgehandelt werden müssen.

Die Technikgeschichte hat der historischen Entwicklung von Qualitätskontrolle, Material- und Werkstoffprüfung und der Etablierung entsprechender Kontrollverfahren immer wieder Aufmerksamkeit geschenkt. Schwerpunkte lagen auf der industriellen Produktion, dem Arbeitsschutz und dem Bauingenieurwesen. Mit Blick auf langfristige Nutzungsprozesse wird die Reaktion auf Unfälle und technische Katastrophen in gesamtgesellschaftlicher Perspektive untersucht, wenn sich Massstäbe für Qualität und Sicherheit als ungenügend erwiesen haben. Aktuell stellen auch Forschungen zur Wiederverwendung und Reparierbarkeit Fragen an die Qualität und Sicherheit von Technik. Solche Themen werden in einem breiten und interdisziplinären Forschungsfeld behandelt, das die Wissenschaftsgeschichte ebenso einbezieht wie die Bautechnikgeschichte oder die historische Risikoforschung.

Die TGT 2023 fokussiert auf die Genese und Umsetzung von Qualitäts- und Sicherheitsansprüchen an der Schnittstelle von technischer Produktion und Nutzung und lädt zur Diskussion folgender Fragen ein: Wie entwickelten sich Kontroll- und Prüfverfahren in der historischen longue durée und von welchen Akteursgruppen kamen Impulse für entsprechende Massnahmen? Welche Rolle spielten Entwicklungen in der technischen Praxis vom Schiffbau über gewagte architektonische Projekte bis zur Verkehrsinfrastruktur einerseits und in Wissenschaften wie der Chemie, der Festigkeitslehre und den Materialwissenschaften andererseits? Wie agierten Unternehmen im Spannungsfeld von Massnahmen zur Qualitätssicherung und wirtschaftlichen Zielsetzungen? Welche Rolle spielten Qualität und Sicherheit in der Unternehmenskultur und im Marketing? Wie wirkten sich entsprechende Ansprüche auf die Gestaltung von Arbeitsprozessen oder auf die Suche nach neuen Roh- und Werkstoffen aus? Wie etablierten sich informelle Technikstandards in Handwerksbetrieben oder in Abwesenheit obrigkeitlicher Kontrolle? Welche Wechselwirkungen werden im Schnittfeld von Unternehmen, Politik, und Öffentlichkeit sichtbar? Und welche Rolle spielten Qualitäts- und Sicherheitsstandards in der Globalisierung von Produktionsprozessen? Fallstudien zu allen historischen Epochen und allen Weltregionen sind ebenso erwünscht wie übergreifende Thesen und die Diskussion methodischer Fragestellungen. Beiträge aus unterschiedlichen Disziplinen der historischen Wissenschaften und aus dem Museumswesen sind gleichermassen willkommen.

Format

Die Vortragszeit beträgt 20 Minuten. Vortragssprachen sind Englisch oder Deutsch (mit englischen Folien). Tagungsunterlagen mit englischen Abstracts werden von den Veranstaltern vorbereitet. Die Tagungsbeiträge werden in der von der Eisenbibliothek herausgegebenen Fachzeitschrift Ferrum publiziert.

Exposés und Termine

Interessierte sind herzlich eingeladen, ihr Exposé im Umfang von max. 3‘000 Zeichen (bzw. 400 Wörtern) in Englisch oder Deutsch mit einem aktuellen CV bis zum 28. Februar 2023 in elektronischer Form an Franziska Eggimann (franziska.eggimann@georgfischer.com), Leiterin der Eisenbibliothek, einzureichen. Die Auswahl erfolgt bis Ende April 2023.

Organisatorisches

Die Eisenbibliothek übernimmt die Reisespesen der Referentinnen und Referenten sowie die Kosten für Unterkunft und Verpflegung während der Tagung. Wir erwarten Ihre durchgehende Teilnahme.

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Franziska Eggimann

Geschäftsführerin Eisenbibliothek und GF Konzernarchivarin