Folge 25: Lexicon Technicum

«Lexicon Technicum: Or, an Universal English Dictionary of Arts and Sciences» (London, 1704)

erschienen im Dezember 2022

Das Lieblingsbuch von Olivier Horvath

Olivier Horvath war bis Herbst 2022 Praktikant in der Eisenbibliothek und wechselte danach als Informationsspezialist in ein kantonales Archiv. Hier schreibt er über eines seiner Lieblingsbücher, dass er während seiner Arbeit im Klostergut Paradies entdeckt hat: die 1704 Ausgabe von «Lexicon Technicum», eine der einflussreichsten und bahnbrechendsten Enzyklopädien über Wissenschaft und Technik in der Geschichte.

Der Leser
Olivier Horvath

Olivier Horvath

... hat an der Universität Zürich Englische Sprach- und Literaturwissenschaft, allgemeine Geschichte und Publizistikwissenschaft studiert und einen Höheren Lehramt-Abschluss erhalten. Nach Unterrichtsjahren an verschiedenen Schulen orientierte er sich neu und entschloss sich für ein Studium der Informationswissenschaften (MAS) und den Einstieg in ein neues Berufsfeld via 1-jähriges Praktikum in der Eisenbibliothek. Er ist nun als Informationsspezialist im Staatsarchiv St. Gallen tätig.

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Das Buch

John Harris: «Lexicon Technicum: Or, an Universal English Dictionary of Arts and Sciences» (London, 1704)

In der zweiten Hälfte meines einjährigen Praktikums in der Eisenbibliothek und im GF-Konzernarchiv schrieb ich nebenbei an meiner informationswissenschaftlichen Masterarbeit. Da ich mich dadurch inhaltlich auch mit der Geschichte der Lexika – von den Editionen des 18. Jahrhunderts bis zur Wikipedia – beschäftigte, fiel meine Aufmerksamkeit auf ein Buch, welches 1704 veröffentlicht worden war und das sich heute in einem der Bücherregale des Ernst Müller-Zimmers befindet.

Dessen Autor, John Harris (1666–1719), Londoner Geistlicher und Hobby-Mathematiker, kann als Pionier der alphabetisch geordneten wissenschaftlichen Enzyklopädie gesehen werden. Harris lebte in einer der wichtigsten Perioden des akademischen Fortschritts. Er stützte sich vor allem auf die Forschungen seiner fähigen Zeitgenossen (z.B. Sir Isaac Newton) in den wissenschaftlichen Bereichen und versuchte bewusst, die «modernen» Fortschritte zu beschreiben. Somit gelang es Harris, die erste Enzyklopädie in zwei Bänden (Band zwei erschien 1710) zusammenzustellen, die im Allgemeinen aktuell, umfassend und detailliert, wie im Titel erwähnt, zu den Themen Technik und Wissenschaften Auskunft geben. Das Werk beinhaltet unter anderem Einträge zu Recht, Chirurgie, Anatomie, Geometrie und Mathematik, Festungsbau, Botanik und Musik. Wer denkt, dieses «urzeitliche» Lexikon beinhalte nur Textpassagen, irrt sich. Detaillierte Abbildungen – über den menschlichen Knochenbau bis zu geometrischen Körpern – ergänzen das Werk und erhöhen den Bildungswert dieses Lehrmittels.

Harris’ Werk hatte auch Vorbildcharakter für andere hochgelobte spätere europäische Enzyklopädien: Ephraim Chambers’ Cyclopaedia (1728, England) und Denis Diderots und Jean le Rond d’Alemberts Encyclopédie (1751–1780, Frankreich), welche übrigens auch beide in der Sammlung der Eisenbibliothek zu finden sind.