Die Stiftung Eisenbibliothek

Der Name Paradies ist eng mit der Eisenbibliothek verknüpft, die seit 1952 im Westflügel der Anlage untergebracht ist. Die Bibliothek verdankt ihr Entstehen der Initiative von GF-Direktor Ernst Müller (1885–1957), der seine Privatsammlung als Grundstock in die am 31.12.1948 gegründete Stiftung einbrachte. Hinter der Stiftung stand einerseits die eigene industrielle Tradition. Andererseits verstand GF sein Engagement als Verpflichtung, in einem vom Zweiten Weltkrieg stark zerstörten Europa verbindende kulturelle Werte zu schaffen.

In den nächsten drei Jahren wurde der ehemalige Gästetrakt des Klosterguts Paradies sorgfältig restauriert und zur Bibliothek umgebaut. Der Schaffhauser Bildhauer Walter Knecht (1895–1985) gestaltete die Stuckdecke im grossen Bibliothekssaal, die «in immerhin bescheidenem Masse an die edle Tradition der alten Klosterbibliotheken anknüpft», wie der Architekt Martin Risch (1880–1961) ausführte. Die Einweihung am 3. Mai 1952 war Teil des 150-jährigen Jubiläums von GF und zog eine illustre Gästeschar aus der ganzen Welt an.

Bis heute unterstützt der GF-Konzern grosszügig die Stiftung. Die Eisenbibliothek widmet sich zusammen mit dem Konzernarchiv der Georg Fischer AG vorrangig der Pflege des kulturellen und historischen Erbes von GF. Sie steht allen Interessierten, Wissenschaftlern wie Amateuren, zur Benutzung offen.

Das Klostergut Paradies

Die oberhalb von Schaffhausen direkt am Rhein liegende Klosteranlage Paradies wurde in der Mitte des 13. Jahrhunderts von den Grafen von Kyburg gestiftet und gehörte dem Klarissenorden an. In der Reformation fast säkularisiert, musste die Anlage 1587 nach einem Brand neu errichtet werden. Nach der Aufhebung des Konvents 1836 war das Ensemble vor allem ein Gutsbetrieb.

1918 erwarb die Georg Fischer AG (GF) in Schaffhausen das Klostergut Paradies mit den umliegenden Ländereien. Mit dieser für einen Industriebetrieb ungewöhnlichen Akquisition war die Absicht verbunden, auf dem Land Lebensmittel zu produzieren. Ein Grossteil der Ernte wurde günstig an die Mitarbeitenden verkauft oder in der Kantine verwendet. Während vieler Jahre nutzte GF die Klosteranlage für Arbeiterwohnungen, später für Alterswohnungen.

Heute dient die vorbildlich restaurierte Anlage als Ausbildungszentrum von GF und beherbergt das Konzernarchiv und die Eisenbibliothek.