Folge 2: Disegni e spiegazione ...

Giuseppe Valadier: Disegni, e spiegazione della fonderia: principio e termine della campana di San Petro [...] (Rom 1786).

Erschienen im September 2014

Das Lieblingsbuch von Franziska Eggimann

In Folge 2 unserer Serie stellt Franziska Eggimann eine der rund 60 Handschriften aus den Beständen der Eisenbibliothek vor. Über ihr Lieblingsbuch hat sich die Leiterin der Eisenbibliothek auch schon mit den Vatikanischen Archiven ausgetauscht.

 
Die Leserin

Franziska Eggimann

… hat im September 2013 die Leitung der Eisenbibliothek sowie des Konzernarchivs der Georg Fischer AG übernommen und ihren Arbeitsplatz vom Archiv des Klosters Einsiedeln ins Klostergut Paradies verlegt. Die Zürcher Historikerin hat sich zuvor ausgiebig mit Konfessionalisierungsgeschichte befasst, weshalb ihr die Handschrift über die päpstliche Glocke in der Eisenbibliothek sofort ans Herz gewachsen ist.

Das Buch, in dem ich gerne mitspielen würde ...
Johann Conrad Fischer: Reisetagebücher. Aarau, Schaffhausen, Stuttgart 1816, 1826, 1829, 1845, 1846, 1847, 1853

Das Buch, von dem ich gerne eine Fortsetzung lesen würde ...
Stefan Zweig: Die Welt von gestern. Erinnerungen eines Europäers. Stockholm, Bermann-Fischer 1942

Das Buch, das momentan auf meinem Nachttisch liegt ...
Robert Seethaler: Ein ganzes Leben. Berlin, Hanser 2014

Das Buch

Giuseppe Valadier: Disegni, e spiegazione della fonderia: principio e termine della campana di San Petro, fusa dal Cav. Luigi Valadier e Giuseppe di lui figlio nell’anno 1786. (Rom 1786).

2007 wurde in der Eisenbibliothek eine «Schatzkammer» eingerichtet. Die kostbarsten Bücher aus unseren Beständen, die bis dahin im Safe gelagert wurden, können hier hinter Glas betrachtet und bestaunt werden. Darunter befindet sich eine Handschrift von Giuseppe Valadier (1762–1839): Ein dünnes Buch im Folioformat, von Weitem unverdientermassen unscheinbar. Da es aufgeschlagen daliegt, bleibt der Ledereinband mit dem Wappen von Papst Pius VI. (1775–1799) in Goldprägung verborgen.

Papst Pius VI. bestellte beim römischen Goldschmied Luigi Valadier eine Glocke für den Petersdom in Rom, was bei den Glockengiessern in Rom für Aufregung und auch etwas Neid sorgte: Ausgerechnet einem Goldschmied wird die päpstliche Ehre zuteil! Nach dem Tode des Meisters vollendete dessen Sohn Giuseppe Valadier den Auftrag und widmete seinem Vater diese Handschrift, worin er den Guss der Glocke detailliert beschreibt und in 14 aquarellierten Federzeichnungen illustriert.

Giuseppe Valadier war ein berühmter Architekt und führender Vertreter des Klassizismus in Rom. Als Städteplaner gestaltete er zahlreiche Plätze und Gebäude – darunter die Piazza del Popolo – und setzte sich intensiv für die Erhaltung antiker Monumente wie z.B. des Kolosseums ein.

Die Glocke – bekannt als «il Campanone» (italienisch für «riesige/enorme Glocke») – ist noch heute täglich im Petersdom im Einsatz. Sie ist die zweitgrösste Glocke Italiens und wiegt 10 Tonnen.

Kürzlich wurde der Vatikan auf Valadiers Manuskript aufmerksam – als Handschrift natürlich ein Unikat, das nur die Eisenbibliothek besitzt – und bat uns um eine Kopie für die Dokumentation in den Vatikanischen Archiven, die wir gerne zur Verfügung stellten.

Der Campanone von Valadier im Einsatz im Petersdom