Elementa Hydrotechniae

Hadaly de Hada, Carl: Elementa Hydrotechniae (Győr: Joseph Streibig, 1783)

Erworben im Jahr 2020

Elementa Hydrotechniae Title Page
Elementa Hydrotechniae: Titelseite

Ein Neuzugang unserer Rara-Sammlung ist diese 128-seitige Abhandlung über die Mathematik der natürlichen Flussdynamik. Die 1783 veröffentlichte Elementa Hydrotechniae trug zu einem einflussreichen und wachsenden Bestand an Literatur im späten 19. Jahrhundert bei, die zu flusslandschaftsbaulichen Projekten wie die 1817 begonnene Rheinbegradigung unter der Leitung von Johann Gottfried Tulla anregte.

Damals ebenso wie heute waren Flüsse wichtige Transportwege für Handel und Industrie und eine Energiequelle für Mühlen, während ihre unvorhersehbaren Überschwemmungen erhebliche Herausforderungen darstellten und sowohl Siedlungen als auch lebenswichtige landwirtschaftliche Flächen bedrohten. Die Schaffung und Verbreitung eines mathematischen Verständnisses der Natur, der Stärke und des Potenzials von Flüssen war ein wichtiger Schritt, um eine Grundlage für technische Projekte zu schaffen, die entweder die Hochwasserrisiken verringerten oder die Kraft von Flüssen so lenkten, dass sie von grösserem wirtschaftlichen Nutzen sein konnten.

Die Abhandlung stellt somit eine wertvolle Ergänzung der bestehenden Bestände zur Geschichte der Wasserstrassen und der Wassertransporttechnik in der Eisenbibliothek dar. Diese beginnen mit Aristoteles' Spekulationen über die jährliche Nilüberschwemmung in unserer Albertus-Magnus-Handschrift aus dem 13. Jahrhundert, reichen über die Geschichte der Pumpstationen in der Nähe von Versailles bis hin zu Casper Walters Architectura Hydraulica von 1765 und behandeln so unterschiedliche Themen wie die Nutzung von Wasserkraft und die Entwicklung von Rohrleitungssystemen.

Die Abhandlung ist in einen theoretischen und einen praktischen Teil mit insgesamt 241 nummerierten Absätzen unterteilt, mit 17 Seiten von Tabellen und zwei gefalteten gravierten Tafeln mit 26 Abbildungen. Die sechs Kapitel des ersten Teils behandeln die grundlegenden Prämissen der Abhandlung (I), den natürlichen Fluss (II), die verschiedenen Zustände des Flusses (III), die Flussrate (IV), die Kraft des Wassers (V) und die Flussläufe (IV).  Die sieben Kapitel des praktischen Teils der Abhandlung behandeln die Dimensionen von Flüssen (I), Flechtwerkstrukturen (III), den Schutz von Flussufern (IV), technische Anlagen (V), die Entwässerung von Marschland (VI) und die Schiffbarkeit von Flüssen (VII).

Elementa Hydrotechniae, Tafel I
Elementa Hydrotechniae, Tafel I
Elementa Hydrotechniae, Tafel II
Elementa Hydrotechniae, Tafel II

Der Autor, Carl Hadaly de Hada, war ein ungarischer Mathematiker, der 1743 in Sümegher Komitat, Ungarn, geboren wurde. Er studierte reine und angewandte Mathematik, sowie zivile Architektur und Hydraulikingenieurwesen an der Königlichen Akademie in Győr (Ungarn). Diese erste Ausgabe seiner Teatise wurde 1783 von Joseph Streibig in Györ veröffentlicht, während Hadaly de Hada Professor für Mathematik in Trnava (Slowakei) war. Elementa Hydrotechniae war sehr gefragt und durchlief sieben Auflagen, wobei der Ruf des Autors festgelegt wurde. Nach der Veröffentlichung kehrte Hadaly de Hada 1786 für eine kurze Zeit auf Győr zurück, bevor er nach Pécs ging, wo er blieb, bis er 1809 einen Lehrstuhl an der Universität von Pest übernahm. Seine Karriere verbrachte er bis zu seiner Pensionierung im Alter von 88 Jahren im Jahr 1831 mit Veröffentlichungen über Farbwissenschaften, Mechanik, reine Mathematik und Geometrie. Hadaly de Hada wurde in seiner Karriere mit der Mitgliedschaft in der Akademie der Wissenschaften in Göttingen und dem Ritterkreuz des Leopoldordens geehrt.