Die Eisenbibliothek

Dem Namen der Bibliothek – und ihrem Motto «Viris ferrum donantibus» – entsprechend ist die Literatur über die Geschichte von Eisen und Stahl der ursprüngliche Sammelschwerpunkt. Im Laufe der Zeit hat sich der Fokus auf ausgewählte Teilgebiete der Technikgeschichte samt benachbarten Disziplinen (Geschichte der Naturwissenschaften und der Ingenieurwissenschaften, Industrie- und Wirtschaftsgeschichte etc.) erweitert. In Anlehnung an Entwicklungen im GF-Konzern wird in Zukunft vor allem den Kunststoffen und ihrer Geschichte grössere Aufmerksamkeit geschenkt.

Es gibt weltweit nur wenige Spezialbibliotheken in diesen Disziplinen, deren Bestände eine vergleichbare Tiefe, Breite und Vollständigkeit erreichen. Grundsätzlich gilt für alle Kompetenzbereiche, dass sowohl historische als auch neue (geschichtswissenschaftliche) Forschungsliteratur erworben wird. In einigen Sammelgebieten wird auch nicht historisch orientierte Literatur erworben, so z.B. zur Giessereitechnik, Eisenmetallurgie und Kunststofftechnologie.

Bibliotheksbestand

Mit 45'000 Titeln und 1’000 Periodica (davon 70 laufend) aus acht Jahrhunderten gilt die Eisenbibliothek als eine der grössten Spezialbibliotheken im Bereich Technikgeschichte und Geschichte von Eisen und Stahl. Der rara-Bestand mit Alten Drucken vor 1900 umfasst rund 6'000 Titel.

Thematische Schwerpunkte

  • Metallurgie
  • Bergbau
  • Kunststoffe (siehe weiter unten)
  • Technikgeschichte
  • Geschichte der Naturwissenschaften
  • Geschichte von GF
  • Wirtschafts- und Industriegeschichte
  • Industriekultur
  • Produktkataloge und Firmenschriften
  • Enzyklopädien
Kunststoffe

Der jüngste Schwerpunkt im Erwerbungsprofil der Eisenbibliothek sind seit 2015 die Kunststoffe – oder wie es in den revidierten Stiftungsstatuten heisst: «moderne Konstruktionswerkstoffe wie Kunststoff und weitere polymere Festkörper und deren Anwendung, namentlich in Geschäftsbereichen, in denen GF aktiv ist.» In der über 200jährigen Geschichte des GF-Konzerns prägen seit über 60 Jahren Kunststoffprodukte die Entwicklung des Unternehmens mit. Die 2007 publizierte Schrift «50 Jahre Kunststoff-Know-how» legt dafür ein eindrucksvolles Zeugnis ab.

Der traditionelle Markenkern der Eisenbibliothek, Eisen/Stahl/Technikgeschichte, wird durch den neuen Schwerpunkt Kunststoffe in sinnvoller Weise ergänzt. Das Profil als Spezialbibliothek für Konstruktionswerkstoffe in historischer Perspektive wird durch den neuen Schwerpunkt erweitert und zugleich geschärft.

Bestandsaufbau
Erste Schritte zum Bestandsaufbau im Bereich Kunststoff bildeten die Anschaffung von grundlegender Literatur zur Geschichte der Kunststoffe, deren Verfasser in vielen Fällen historisch interessierte Chemiker sind, sowie von Werken aus der Frühgeschichte der Kunststoffe. Analog zu den Bereichen Eisen/Stahl und Technikgeschichte erfolgt auch die Akquisition im Kunststoffbereich zweigleisig: Erworben werden sowohl alte und seltene Drucke als auch die aktuelle Forschungsliteratur.

Übernahme von Sammlungen
Ein Ausbau des Bestandes durch Schenkungen wird laufend verfolgt. 2015 konnten zwei Büchersammlungen mit historischer Kunststoff-Literatur übernommen werden: einerseits vom Chemiker Günter Lattermann (Bayreuth, DE), dem Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Kunststoffgeschichte (dgkg), und andererseits vom Chemiker John Morgan (Berry Hill, GB). Die bislang grösste Schenkung erfolgte in zwei Etappen 2016 und 2020: Professor Dietrich Braun (Darmstadt) vermachte der Eisenbibliothek seine private Bibliothek im Bereich Kunststofftechnologie. Prof. Braun, langjähriger Direktor des Deutschen Kunststoff-Instituts (DKI) in Darmstadt, war eine der prägenden Gestalten der Kunststoff-Forschung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Das ehemalige DKI bildet heute den Bereich Kunststoffe des Fraunhofer-Instituts für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit.