91/2019

Die Personen der Technik - Technology's Workforce

Inhaltsübersicht

Dohrn-van-Rossum, Gerhard: Uhrmacher als Prototypen technischer Experten in der europäischen Vormoderne

Gerhard Dohrn-van-Rossum

Uhrmacher als Prototypen technischer Experten in der europäischen Vormoderne
Das Zusammenwirken technischer Kompetenzen bei den Ingenieuren der Renaissance

Uhrmacher wurden über lange Zeit als prototypische Maschinenbauer der frühen Industrialisierung angesehen. Uhrwerke aller Art finden sich häufig unter den von den «Renaissance-Ingenieuren» des 15. Jahrhunderts konstruierten oder entworfenen Maschinen und Mechanismen. Ihre Uhrwerke waren nicht nur als Zeitmesser sensationelle technische Innovationen. Sie wurden auf längere Sicht auch zur Grundlage vielfältiger Folgeinnovationen.

Dieser Artikel ist auf Deutsch erschienen. Englisches Abstract:

Clockmakers as prototypes of technical experts in pre-modern Europe
The interaction of technical skills among Renaissance engineers

Clockmakers were long regarded as the prototype of mechanical engineers in the early industrial age. Clock movements of every kind are frequently found among the machines and mechanisms devised or designed by Renaissance engineers in the 15th century. Their clocks were sensational technical innovations not only as timepieces, but also as the basis for a wide range of innovations that were to follow.

Eggimann, Franziska: Die Statisten der Technik

Franziska Eggimann

Die Statisten der Technik

Eine Serie von Fotografien aus dem Konzernarchiv der Georg Fischer AG zeigt die inszenierten Aufnahmen des Grossstahlgusses, wie ihn der Werkfotograf Max Graf in den 1950er- und 1960er-Jahren in der Stahlgiesserei in Schaffhausen in Szene setzte. Die Ingenieure, Giesser und Handwerker – im Produktionsprozess noch aktive Protagonisten – werden in dieser «comédie technique» zu Statisten der Technik.

Dieser Artikel ist auf Deutsch erschienen. Englisches Abstract:

Technology’s walk-on roles

A series of photographs from the Corporate Archives of Georg Fischer Ltd illustrates large-scale steel castings, which were "stage-managed" by the company’s photographer, Max Graf, at the Schaffhausen steel foundry in the 1950s and 1960s. The engineers, foundrymen and shop floor workers – who were active protagonists in the production process – play walk-on roles in this "comédie technique".

Eggimann, Franziska: «Mitarbeiten heisst mitdenken»: Die Geschichte des Vorschlagswesens bei GF

Franziska Eggimann

«Mitarbeiten heisst mitdenken»: Die Geschichte des Vorschlagswesens bei GF

Ab Mitte des 20. Jahrhunderts bemühte sich die Georg Fischer AG in Schaffhausen, mithilfe eines unternehmensweit organisierten Vorschlagswesens das Ideen- und Kreativitätspotenzial der Mitarbeitenden zu nutzen. Das Vorschlagswesen war einerseits ein Instrument der Mitarbeiterpartizipation, andererseits sollte es auch nicht unerheblich zu Rationalisierungen und Einsparungen beitragen. Dieser Beitrag erzählt die Geschichte des Vorschlagswesens bei GF und setzt es in den gesamtschweizerischen Kontext. Insbesondere die Anstrengungen des Personalchefs Hans Weber in den 1950er-Jahren legten die Basis für die wachsende Akzeptanz und Etablierung des Vorschlagswesens als bis heute funktionierendes Element eines partizipativen Innovationsmanagements.

Dieser Artikel ist auf Deutsch erschienen. Englisches Abstract:

"Working together means thinking together": The history of the employee suggestion system at GF

Towards the middle of the 20th century, Georg Fischer Ltd in Schaffhausen instituted a company-wide suggestion system in an effort to give full rein to employees’ ideas and creative potential. The suggestion scheme was an instrument to promote employee participation, but it also contributed to making significant savings and to streamlining. This paper outlines the history of the GF employee suggestion system and places it in the context of Switzerland as a whole. In particular, the efforts of Hans Weber, who was head of personnel in the 1950s, formed the basis for the growing acceptance and consolidation of the suggestion scheme, which continues to function today as an element of participatory innovation management.

 

Long, Pamela O.: Bricolagic Practitioners and the Fluid Culture of Skilled Work in Late Sixteenth-Century Rome

Pamela O. Long

Bricolagic Practitioners and the Fluid Culture of Skilled Work in Late Sixteenth-Century Rome

This paper explores the culture of skilled practice in late sixteenth-century Rome. It takes specific examples of engineers, architects, printers, engravers, and painters to show the ways in which individuals in this time and place led particularly fluid work lives – moving from different kinds of skilled occupations as a way of moving up the social ladder. At the same time, skilled individuals and learned humanists often communicated in substantial ways and even developed friendships in arenas that I have called trading zones. This paper discusses the implications of this fluidity of occupation and the development of trading zones in early modern Europe. The examples are taken from Rome, but it is suggested that although Rome was in some ways unique, these conditions also prevailed in many other places in Europe.

Dieser Artikel ist auf Englisch erschienen. Deutsches Abstract:

Praktizierende der Bricolage und die fliessende Kultur der Facharbeit im späten 16. Jahrhundert in Rom

Diese Arbeit untersucht die Kultur der fachmännischen Praxis im späten 16. Jahrhundert in Rom. Anhand konkreter Beispiele von Ingenieuren, Architekten, Druckern, Graveuren und Malern wird gezeigt, wie Einzelpersonen in dieser Zeit und an diesem Ort ein besonders fliessendes Arbeitsleben führten - das Wechseln von verschiedenen Arten von Fachberufen als Aufstieg auf der sozialen Leiter. Gleichzeitig kommunizierten Fachkräfte und gelehrte Humanisten oft auf substanzielle Weise und schlossen sogar Freundschaften in Arenen, die ich Handelszonen genannt habe. Diese Arbeit diskutiert die Auswirkungen dieser Flüssigkeit der Berufstätigkeit und die Entwicklung von Handelszonen im frühmodernen Europa. Die Beispiele stammen aus Rom, aber es wird behauütet, dass, obwohl Rom in gewisser Weise einzigartig war,  diese Bedingungen auch in vielen anderen Orten Europas weit verbreitet waren.

Nilsson, Fay Lundh, Grönberg, Per-Olof: For the Promotion of Industrialization: Technical Upper Secondary Schools ...

Fay Lundh Nilsson, Per-Olof Grönberg

For the Promotion of Industrialization: Technical Upper Secondary Schools in Sweden 1855–1920

The lack of middle-level technical education, which could provide local and regional industries with technically skilled labor and prepare students for higher technical studies, led to the establishment of technical upper secondary schools in five Swedish cities from the middle of the 1850s. When the Parliament made its decisions about the schools’ locations, cities that already had significant industrial or proto-industrial activities were initially favored. In the case of Malmö, about 50 percent of the graduates became employed in the school region, another 30 percent in the rest of Sweden. Thus we conclude that the school functioned as a regional institute for technical education. Around 20 percent went abroad, mostly to Germany and the US, for studies or to further their career. Many of them returned with new knowledge and skills.

Dieser Artikel ist auf Englisch erschienen. Deutsches Abstract:

Zur Förderung der Industrialisierung: Technische Oberschulen in Schweden 1855–1920

Das Fehlen einer technischen Ausbildung auf mittlerem Niveau, die der lokalen und regionalen Industrie technisch qualifizierte Arbeitskräfte zur Verfügung stellen und Schüler auf ein technisches Hochschulstudium vorbereiten könnte, führte ab Mitte der 1850er Jahre zur Einrichtung von technischen Oberschulen in fünf schwedischen Städten. Als das Parlament seine Entscheidungen über die Standorte der Schulen traf, wurden zunächst Städte bevorzugt, die bereits bedeutende industrielle oder protoindustrielle Aktivitäten aufwiesen. Am Beispiel von Malmö lässt sich zeigen, dass ungefährt 50 Prozent der Absolventen in der Schulregion, und weitere 30 Prozent im restlichen Schweden eingestellt wurden. Daraus schliessen wir, dass die Schule als regionale Institution für technische Bildung fungierte. Ungefähr 20 Prozent gingen ins Ausland, vor allem nach Deutschland und in die USA, um zu studieren oder ihre Karriere zu fördern. Viele von ihnen kehrten mit neuen Kenntnissen und Fähigkeiten zurück.

Lutz, Nicolau: «Wir sind eines Herzens, Lieber Fischer!»

Nicolau Lutz

«Wir sind eines Herzens, Lieber Fischer!»
Die Beziehung von Johann Conrad Fischer und Erzherzog Johann von Österreich zwischen Metallurgie, Standesdenken und Restauration

Eine wiederentdeckte Handschrift mit Auszügen aus den Gesprächen des Schaffhauser Metallurgen und Unternehmers Johann Conrad Fischer mit Erzherzog Johann von Österreich wirft ein neues Licht auf deren langjährige freundschaftliche Beziehung sowie Fischers Wirken im Spannungsfeld zwischen Technik und Politik.

Dieser Artikel ist auf Deutsch erschienen. Englisches Abstract:

"Dear Fischer, we are of one mind!"
The relationship between Johann Conrad Fischer and Archduke Johann of Austria – a story of metallurgy, sense of rank, and restoration

A recently discovered manuscript containing excerpts from discussions between the Schaffhausen metallurgist and entrepreneur Johann Conrad Fischer and Archduke Johann of Austria throws new light on their long-standing friendship and on Fischer’s involvement in both technology and politics.

Moser, Peter: «Motor-Kultur» statt «Dampf-Unkultur»

Peter Moser

«Motor-Kultur» statt «Dampf-Unkultur»: Zur Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte von Konrad von Meyenburgs Bodenfräse

Der Ingenieur Konrad von Meyenburg (1870–1952) ist eine wichtige Person der Technik. Dass er heute weitgehend vergessen und so wenig über sein Wirken bekannt ist, hängt auch damit zusammen, dass es (noch) keinen Nachlass von ihm gibt. Eine Möglichkeit, trotzdem mehr über die Ideen und das Wirken des auf beiden Seiten des Atlantiks aktiven Erfinders zu erfahren, besteht in der Rekonstruktion und Analyse der Rezeption seiner Erfindungen. In diesem Beitrag wird nach den Reaktionen gefragt, die die von Meyenburg erfundene, sich an den Ideen Frederick Winslow Taylors und den Fähigkeiten des Maulwurfs gleichermassen orientierende Bodenfräse auslösten. Im Zentrum stehen die Wahrnehmungen der Bäuerinnen und Gärtner, deren Arbeit durch die motorengetriebene Bodenfräse am stärksten tangiert wurde.

Dieser Artikel ist auf Deutsch erschienen. Englisches Abstract:

"Motor culture" overrides "steam culture"
Konrad von Meyenburg’s rotary tiller: development and reception history

The engineer Konrad von Meyenburg (1870–1952) played an important role in technology history. While his achievements are largely forgotten today, his obscurity is due in part to the fact that he left no written legacy. One approach to increasing our knowledge of the ideas and work of this inventor, who was active on both sides of the Atlantic, is to reconstruct and analyze the reception history of his inventions. This paper examines the reactions triggered by Meyenburg’s rotary tiller, an invention that owes as much to the abilities of the mole as to the ideas of Frederick Winslow Taylor. The focus is on the way farmers and market gardeners responded to the motor-driven tiller, as they were the ones most closely affected by the invention.

Pichler, Rupert: Innovationen in grossen Unternehmen: Hubert Hauttmann – eine österreichische Karriere ...

Rupert Pichler

Innovationen in grossen Unternehmen: Hubert Hauttmann – eine österreichische Karriere in der Industrieforschung

Wissenschaftler sind als «Personen der Technik» für Innovationen in grossen Unternehmen der Stahlindustrie von entscheidender Bedeutung, unternehmenseigene Forschungsabteilungen bieten die nötige institutionelle Struktur mit entsprechenden personellen und technischen Ressourcen. Die Karriere Hubert Hauttmanns (1895–1982), Miterfinder des LD-Verfahrens, als Forscher und Forschungsleiter bei der GHH und der VÖEST bildet diese Funktionen exemplarisch ab. Da sich in der Stahlforschung viele Fragestellungen überhaupt erst aus der Produktion und Verarbeitung ergaben, konnten Personen wie Hauttmann an der Schnittstelle von Wissenschaft und Industrie neue Erkenntnisse gewinnen und leistungsfähige Forschungsorganisationen aufbauen.

Dieser Artikel ist auf Deutsch erschienen. Englisches Abstract:

Innovation in large enterprises
Hubert Hauttmann – an Austrian career in industrial research

In as much as they are "people in technology", scientists are of eminent importance for innovation in large-scale steel enterprises, and in-house research departments provide the necessary institutional structure along with the required human and technical resources. The career of Hubert Hauttmann (1895–1982), one of the inventors of the LD process in steel production and a research scientist and head of research at GHH and VÖEST, reflects these functions in exemplary fashion. Since many questions in steel research arose only during the production and processing phases, persons like Hauttmann at the interface of science and industry gained new insights and built up powerful research organizations.

Platte, L., Schönefeld, K., Hees, F.: Künstliche Intelligenz in der Produktionstechnik – eine Kränkung des Ingenieurs?

Laura Platte, Kathrin Schönefeld, Frank Hees

Künstliche Intelligenz in der Produktionstechnik – eine Kränkung des Ingenieurs?

Die Idee von künstlichen intelligenten Systemen dient seit ihren Anfängen in den 1950er-Jahren als Projektionsfläche anthropologischer Fragen und wurde von der Techniksoziologin Sherry Turkle als vierte Kränkung des eitlen menschlichen Selbstverständnisses beschrieben. Dank immer leistungsstärkerer Computertechnik vollzieht Künstliche Intelligenz (KI) aktuell den Schritt vom Gedankenexperiment in die Anwendung. Im Kontext der Digitalisierung der industriellen Produktion, die insbesondere Hochtechnologie- und Hochlohnstandorte betrifft, wirkt sich der Einsatz von KI unter anderem auf das Berufsbild des Ingenieurs aus. Ist seine Rolle als Planer und Entscheider durch intelligente Systeme gefährdet? Dieser Beitrag stellt erste Ergebnisse aus fünf Interviews mit Wissenschaftlern des DFG-Exzellenzclusters «Integrative Produktionstechnik für Hochlohnländer» vor.

Dieser Artikel ist auf Deutsch erschienen. Englisches Abstract:

Artificial intelligence in production technology – a humiliation for engineers?

The idea of systems of artificial intelligence has served, since it took off in the 1950s, as a projection screen for anthropological questions; the technology sociologist Sherry Turkle described this as the fourth humiliation of mankind’s vain view of himself. Thanks to ever more powerful computers, artificial intelligence (AI) is moving from the realm of hypothesis to that of practical application. Against the background of the digitization of industrial production, which affects high-tech and high-wage locations in particular, the spread of AI is having an impact on the engineering profession. Is the engineer’s role as planner and decisionmaker being threatened by intelligent systems? This paper presents initial findings from five interviews with scientists from the German Research Foundation’s cluster of excellence "Integrative Production Technology for High-Wage Countries".

Popplow, Marcus: Schlusskommentar

Marcus Popplow

Schlusskommentar/Final Comment

Technikgeschichtliche Tagung «Die Personen der Technik. Erfinden, Ausüben und Erlernen von Technik(en) in historischer Perspektive» / History of technology conference "Technology's Workforce. Inventing, practising and learning technology/ies from an historical perspective"

Reith, Reinhold: Animal laborans und homo faber

Reinhold Reith

Animal laborans und homo faber: Eine historische Annäherung an die «handwerkliche Orientierung»

Die «Wiederentdeckung des Handwerks» und die «Renaissance des Manuellen» geht vor allem von Richard Sennetts Versuch aus, das Handwerkliche an sich zu fassen. Der Beitrag setzt sich daher mit der These Sennetts von der «handwerklichen Orientierung» (craftsmanship) auseinander, die er als ein dauerhaftes menschliches Grundbestreben sieht, «den Wunsch, eine Arbeit um ihrer selbst willen gut zu machen». Der Beitrag schliesst dagegen mit einem Plädoyer für eine historische Analyse handwerklicher Arbeit und fordert, den «kraftvollen Materialismus» Sennetts durch eine technikhistorische Perspektive zu ergänzen.

Dieser Artikel ist auf Deutsch erschienen. Englisches Abstract:

Animal laborans and homo faber
An historical approach to the "craftsman orientation"

The "rediscovery of craftsmanship" and the "renaissance of manual skills" derive primarily from Richard Sennett’s attempt to get to the essence of craftsmanship. This paper is therefore devoted to examining Sennett’s thesis of craftsmanship, which he regards as a perpetual human impulse: "the desire to do a job well for its own sake." The paper closes with a dissenting plea for an historical analysis of craftsmanship and argues for a technology-history perspective as a complement to Sennett’s "powerful materialism".

Rosenband, Leonard N.: Journeymen Paperworkers, the Industrious Revolution, and the Industrial Enlightenment ...

Leonard N. Rosenband

Journeymen Paperworkers, the Industrious Revolution, and the Industrial Enlightenment in Europe, c. 1700–1800

This article considers how the realities of hand papermaking framed the search for a papermaking machine. The manufacturers longed for a device that would sever the links joining the journeymen’s skills, custom, and familiar output, and produce vastly more paper. The absence of an industrious revolution in papermaking and the modest contributions of the industrial Enlightenment to the trade intensified this drive. A mechanized mimic of the journeymen’s skills, the papermaking machine put an end to their mechanical art.

Dieser Artikel ist auf Englisch erschienen. Deutsches Abstract:

Gesellen der Papierarbeit, die Revolution des Fleisses  und die industrielle Aufklärung in Europa, ca. 1700–1800 

Dieser Artikel untersucht, wie die Gegebenheiten der Handpapierherstellung die Suche nach einer Papiermaschine gestaltet haben. Die Handwerker sehnten sich nach einem Gerät, das die Verbindungen zwischen den Fähigkeiten, dem Brauch und dem vertrauten Output der Gesellen trennt und wesentlich mehr Papier produzieren würde. Das Fehlen einer Fleissrevolution in der Papierherstellung und die bescheidenen Beiträge der industriellen Aufklärung zum Handel verstärkten diesen Wunsch. Als mechanisierte Nachahmung der Fertigkeiten der Gesellen setzte die Papiermaschine ihrer mechanischen Kunst ein Ende.

Ruhland, Florian: Wo kommen unsere Bücher her? Provenienzen in der Eisenbibliothek

Florian Ruhland

Wo kommen unsere Bücher her?
Provenienzen in der Eisenbibliothek

Anlässlich ihres 70. Jubiläums präsentiert die Eisenbibliothek in einer Sonderausstellung unter anderem eine Auswahl von Provenienzen in Büchern aus dem 16. bis 20. Jahrhundert. Der vorliegende Artikel stellt einige der ausgestellten Provenienzen näher vor und erläutert den historischen Hintergrund der Sammlungen, in denen sich die Bücher befanden, bevor die Eisenbibliothek sie erwarb. Auch wenn die Eisenbibliothek mit der Recherche und Erschliessung ihrer Provenienzen noch ganz am Anfang steht, zeichnet sich ein sehr grosses Reservoir und Potenzial ab, das viele Ausgangspunkte für weitergehende Forschungsfragen bietet.

Dieser Artikel ist auf Deutsch erschienen. Englisches Abstract:

Where do our books come from?
Provenance in the Iron Library

To mark its 70th anniversary, the Iron Library held a special exhibition in which it presented a selection of book provenances from the 16th to the 20th century. The present article provides more detailed information on some of the provenances displayed and explains the historical background of the collections where the books were housed before the Iron Library acquired them. Even though the Iron Library is only beginning to research and catalog its provenances, there is evidence of a large reservoir and a great deal of potential that offer a wide range of starting points for further research.

Schläfli, Nina: Transnationale Technologietransfers. Einführung und Etablierung des Dampfschiffbaus bei Escher Wyss & Cie.

Nina Schläfli

Transnationale Technologietransfers
Einführung und Etablierung des Dampfschiffbaus bei Escher Wyss & Cie.

Die Schweiz verfügte zu Beginn des 19. Jahrhunderts weder über einen durchgängig schiffbaren Meerzugang noch über eine Schiffbautradition wie sie die grossen Seefahrtnationen der Frühen Neuzeit kannten. Als das Unternehmen «Escher Wyss & Cie.» in Zürich 1836 – 14 Jahre nach der Einführung der Dampfschifffahrt auf den Schweizer Gewässern – die Produktion von Dampfschiffen aufnahm, konnte weder auf theoretische und praktische Grundlagen noch auf ausgebildete Fachkräfte zurückgegriffen werden. Anhand der frühen Geschichte des Unternehmens sowie drei Personen aus Hans Caspar Eschers Netzwerk wird dargestellt, wie der Technologietransfer Dampfschiff vollzogen wurde und wie der Aufbau des Schiffbaus als eigenständige Abteilung firmenintern sowie die Etablierung einer neuen Branche während der 1840er- und 1850er-Jahre verliefen.

Dieser Artikel ist auf Deutsch erschienen. Englisches Abstract:

Transnational technology transfers
Launch and establishment of steamship construction at Escher Wyss & Cie.

At the beginning of the 19th century, Switzerland not only had no continuously navigable access to the sea but also no ship-building tradition like the major sea-faring nations of the early modern age. When Escher Wyss & Cie. Began building steamships in Zurich in 1836 – 14 years after the introduction of steam navigation on Swiss waters – the company had neither theoretical or practical know-how nor trained and experienced specialists. Drawing on the company’s early history and three friends from Hans Caspar Escher’s network, the paper describes how steamship technology transfer took place and how the development of ship-building became an independent department within the company, leading to the establishment of a new sector during the 1840s and 1850s.

Schlombs, Corinna: Unerkannte Personen der Computertechnik. Dateneingabe im Bankwesen

Corinna Schlombs

Unerkannte Personen der Computertechnik: Dateneingabe im Bankwesen

Die bisher kaum beachtete Arbeit von Frauen in der Computertechnik wird in diesem Artikel im Hinblick auf den Anfang der Digitalisierung von Daten im Bankwesen beleuchtet, an Beispielen aus den USA und Westdeutschland. Dabei werden die ersten Ergebnisse eines Forschungsprojekts, das den Mitarbeiterinnen in der Dateneingabe von westdeutschen Sparkassen Gehör schenkt, vorgestellt. Die Angaben, beispielsweise zur Zufriedenheit oder der Arbeitsmotivation, stammen aus einer Reihe von Interviews mit ehemaligen langjährigen Teilzeitarbeiterinnen in der Datenlochung.

Dieser Artikel ist auf Deutsch erschienen. Englisches Abstract:

Unrecognized persons in computer technology
Data input in the banking sector

This article examines the hitherto largely unnoticed work of women in computer technology in the context of the early days of data digitization in the banking sector, taking the USA and West Germany as examples. It presents initial findings of a research project that spotlights women engaged in data input (keypunch operators) for West German savings banks. The findings, for instance about job satisfaction and motivation, are taken from a series of interviews with former long-serving part-time keypunch operators.

Schmidt-Rutsch, Olaf: Arbeit – wie sie nicht im Buche steht. Das Erinnerungsarchiv Industriearbeit des LWL-Industriemuseums

Olaf Schmidt-Rutsch

Arbeit – wie sie nicht im Buche steht
Das Erinnerungsarchiv Industriearbeit des LWL-Industriemuseums

1979 gründete der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) ein dezentrales Industriemuseum, das am authentischen Ort Leben und Arbeit der Menschen im Industriezeitalter dokumentieren sollte. Mit Methoden der Oral History wurden die einstigen Industrieanlagen in ihrer Funktion dokumentiert und so Grundlagen für die künftige museale Nutzung gelegt. Es entstand das Erinnerungsarchiv Industriearbeit, das derzeit über ca. 1'600 Einheiten verfügt. Der Aufsatz behandelt die Genese des Erinnerungsarchivs im Kontext der industriekulturellen Diskussion. Anhand von ausgewählten Beispielen zeigt er die Vielfalt, Chancen und Grenzen von Oral History in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit technisch geprägten Arbeitswelten.

Dieser Artikel ist auf Deutsch erschienen. Englisches Abstract:

Not a textbook example of labor
The Industrial Labor Memory Archive of the LWL Industrial Museum

The Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) founded a decentralized museum in 1979, whose aim was to document the life and work of people in the industrial age at historically authentic sites. Employing methods of oral history, documentation was compiled on the former industrial plants, thus laying the groundwork for future use by the museum. This gave rise to the Industrial Labor Memory Archive, which now boasts some 1600 units. The article deals with the origins of the Memory Archive in the context of the discourse about industrial culture. Taking selected examples, it illustrates the variety, opportunities and limitations of oral history in the scientific examination of technically oriented work environments.

Sutherland, Serenity: Women in Chemistry's Workforce

Serenity Sutherland

Women in Chemistry's Workforce

In the 1870s, the Massachusetts Institute of Technology (MIT) began offering educational opportunities to women scientists. Ellen Richards, the first woman to graduate from and teach at MIT, paved the way for future female students by beginning a Women’s Laboratory that later transitioned into a Sanitary Science Laboratory. This paper outlines the network of women who studied in MIT’s laboratories, and describes their scientific and technical research into the chemistry of water pollution and fire prevention. Beyond their laboratory work, women like Ellen Richards also engaged in the emotional labor of mentoring and network building.

Dieser Artikel ist auf Englisch erschienen. Deutsches Abstract:

Frauen in der Arbeitnehmerschaft der Chemiebranche

In den 1870er Jahren begann das Massachusetts Institute of Technology (MIT), Wissenschaftlerinnen Ausbildungsmöglichkeiten anzubieten. Ellen Richards, die erste Frau, die am MIT diplomierte und unterrichtete, ebnete den Weg für zukünftige Studentinnen, indem sie ein Frauenlabor gründete, das später zu einem sanitärwissenschaftlichem Labor wurde. Diese Arbeit skizziert das Netzwerk von Frauen, die in den Laboratorien des MIT studiert haben, und beschreibt ihre wissenschaftliche und technische Forschung zur Chemie der Wasserverschmutzung und des Brandschutzes. Über ihre Labortätigkeiten hinaus, engagierten sich Frauen wie Ellen Richards auch in der emotionalen Arbeit des Mentoring und des Netzwerkaufbaus.