Folge 1: Schuttseilbahn Brand

erschienen im März 2026

Wie so oft in seiner Unternehmensgeschichte stand GF 1920 vor einer grossen Herausforderung, die es zu lösen galt. Der Giesserei-Schutt aus den Giessereien im Mühlental wuchs stetig an und musste entsorgt werden. Da die Kapazitäten in den vorhandenen Deponien langsam aufgebraucht und die Transporte kostspielig waren, suchte GF nach einer nachhaltigen und wirtschaftlichen Lösung für die Zukunft. Der Verwaltungsratsausschuss entschied an seiner Sitzung am 29. März 1921, eine Transportschwebebahn vom Werk IV im Birch zu einer Deponie im so genannten Brand bei Herblingen zu errichten. Aus den folgenden drei Gründen hielt die damalige Leitung von GF diese Variante für die beste von insgesamt acht geprüften: 1. Sie tangierte nur wenig fremdes Gebiet, 2. Das Terrain im Brand gehörte bereits GF und 3. Die Transportschwebebahn regelte die Schuttfrage für 50-80 Jahre.

Ganz so lange hatte die Schuttseilbahn nicht Bestand. Sie wurde 1921/22 errichtet und 1958 abgebrochen. Während der Betriebsdauer von 36 Jahren prägte sie das Landschaftsbild und hinterliess bei vielen Zeitgenossen einen bleibenden Eindruck. Die baulichen Dimensionen der von der Firma Bleichert & Co. aus Leipzig errichteten Schuttseilbahn waren ansehnlich. Mit einer Länge von 2'160 Metern, Holzstützen von teilweise über 20 Metern Höhe, Sicherheitsabdeckungen über den Strassen, einer technisch ausgeklügelten Winkelstation und einer von Weitem sichtbaren Entladestation blieb die Schuttseilbahn sowohl den Anwohnern als auch den Arbeitern und Besuchern in lebhafter Erinnerung. Die Geräusche und die stetigen Bewegungen der über Jahrzehnte vor sich hin schwebenden und ruckelnden Förderwagen bildeten den audiovisuellen Hintergrund des damaligen Alltags rund um die Schuttseilbahn.

Die Deponie im Brand wurde auch nach Abbruch der Seilbahn weiter benutzt. Ab 1958 gelangte der Giessereischutt auf Lastwagen dorthin. Die Umstellung erfolgte aus wirtschaftlichen Überlegungen. Die Instandhaltung der Schuttseilbahn wurde immer teurer und die technischen Fortschritte im Lastwagenbereich ermöglichten einen kostengünstigeren Transport. Deshalb entschied sich die Leitung von GF für den Wechsel auf die Strasse.

Eine letzte Erwähnung in den Unterlagen des Konzernarchivs findet die Schuttseilbahn in den GF Mitteilungen, Nr. 101, Juni 1959. Darin zeigt sich der Verfasser des Textes froh über den erfolgten Abbruch der Schuttseilbahn. Diese selbst bezeichnet er als «unschönes Bauwerk». Wie die Schuttseilbahn von der damaligen Bevölkerung wahrgenommen wurde, bleibt in den Quellen des Konzernarchivs unbeantwortet. Fest steht, dass sie eine prägende Konstruktion für die Umgebung war, und ein weiteres Zeugnis für die Fähigkeit von GF, mit innovativen und zukunftsorientierten Ideen nachhaltige Lösungen umzusetzen.