Unter den vielen wunderbaren Büchern der Eisenbibliothek ein Lieblingsbuch auszuwählen, war eine beinahe herkulische Aufgabe. Die Sammlung ist reich an Werken, die faszinierende Einblicke in unterschiedlichste Themengebiete bieten. Besonders angesprochen haben mich Bücher zur Mineralogie, zur unterirdischen Welt und zur Alchemie.
Ein Buch, das mich besonders beeindruckt hat, ist Casimir Christoph Schmiedels «Erz Stuffen und Berg Arten mit Farben genau abgebildet» aus dem Jahr 1753. Auf den ersten Blick wirkt es eher unscheinbar: dünn und nur etwas grösser als ein gewöhnlicher Roman, sodass man es im Bücherregal leicht übersehen könnte. Doch im Inneren verbirgt es eine beeindruckende Sammlung leuchtender und detailreicher Darstellungen von Mineralien.
Das Werk besteht aus 26 Kupferstichen, die jeweils ein Mineral zeigen und sorgfältig von Hand koloriert wurden, offenbar unter Verwendung verschiedener Techniken und Materialien. Die Abbildungen sind nicht nur äusserst anschaulich, sondern auch informativ: Jede enthält das alchemistische Symbol des jeweiligen Minerals sowie einen eigenen erläuternden Textabschnitt. Die Aufnahme dieser Symbole verdeutlicht die Bedeutung der Alchemie neben der empirischen Erforschung von Mineralien. Einige Tafeln sind mit Buchstaben versehen, die auf Erläuterungen im Begleittext verweisen; andere zeigen Kristallformen, vergrösserte Details oder zusätzliche Ansichten. Allein die Illustrationen zeugen von einem ausgeprägten Interesse daran zu verstehen, was Mineralien sind, wie sie entstehen und wo sie vorkommen.
Der Text, der die erste Hälfte des Buches einnimmt, ist in einzelne Abschnitte gegliedert, von denen jeder einem bestimmten Mineral gewidmet ist. Dabei wird deutlich, dass es sich nicht um idealisierte Beispielstücke handelt. Vielmehr beschreibt Schmiedel eine Sammlung konkreter Fundstücke und hält detailliert fest, wo jedes Exemplar gefunden wurde, unter welchen natürlichen Bedingungen es vorkam und wie die Umgebung beschaffen war. Das Buch liest sich wie die Dokumentation einer tatsächlichen Mineraliensammlung; jedes Stück wird beschrieben und mit den zuvor erwähnten Anmerkungen in den Abbildungen verknüpft. Die bemerkenswerte Sorgfalt dieses kleinen Büchleins macht deutlich, worauf es im damaligen Verständnis mineralogischen Wissens ankam: auf Erscheinungsbild, Herkunft sowie die umgebende Vegetation und weitere Mineralvorkommen. Es ist zugleich ein Werk der Naturkunde und ein praktisches Handbuch zum Auffinden und Verstehen von Mineralien.
Für mich vereint dieses Buch aussergewöhnliche handwerkliche Kunstfertigkeit, naturkundliches Wissen und alchemistisches Denken. Es bot Informationen, die für Bergleute und Prospektoren ebenso nützlich gewesen sein dürften wie für Alchemisten, Naturphilosophen und Gelehrte des 18. Jahrhunderts. Es ist ein Handbuch, dessen Liebe zum Detail zugleich erkennen lässt, welch hohen Wert man dem darin vermittelten Wissen beimass.