erschienen im Oktober 2026
Die Geschichte von GF erzählt nicht nur von Fabriken, Maschinen und Arbeitsplätzen. Über mehr als ein Jahrhundert half das Unternehmen auch dabei, seinen Mitarbeitenden ein Zuhause zu geben. Besonders in Schaffhausen prägte GF ganze Quartiere und leistete einen wichtigen Beitrag zur Wohnbaugeschichte. Der Ausbau des Wohnungsbestands ging Hand in Hand mit dem Wachstum der Belegschaft. GF benötigte Wohnraum sowohl für Arbeitskräfte aus der Region als auch für Mitarbeitende, die von auswärts nach Schaffhausen kamen.
Bereits 1868 entstand im Mühlental direkt neben der Stahlgiesserei das erste Wohnhaus für ledige Fabrikarbeiter. Was zunächst der Gewinnung von Arbeitskräften und kurzen Arbeitswegen diente, entwickelte sich zu einem umfassenden Engagement im Wohnungsbau. Mit der Gründung der Baugesellschaft Breite, später als Wohnbaugesellschaft der Georg Fischer AG (WBG) bekannt, begann 1906 eine neue Ära. Auf dem Plateau oberhalb des Mühlentals entstanden moderne Arbeitersiedlungen. Oberstes Ziel war es, den Mitarbeitenden gesunden, zeitgemässen und preiswerten Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Zu den bekanntesten Projekten zählt das von Curjel & Moser entworfene Schwarzadlergut an der Stahlwerkstrasse.
Während des Ersten Weltkriegs folgte die Siedlung Schweizersbild im Pantli. Die Häuser verfügten über kleine Stallbauten zur Kleintierhaltung sowie grosszügige Gärten. GF förderte die Selbstversorgung der Arbeiterfamilien ausdrücklich. Einer Anekdote zufolge widmeten manche Arbeiter ihren Gemüsebeeten gelegentlich mehr Aufmerksamkeit als der Fabrikarbeit. Kurz darauf, in den Jahren 1920/21, entstand auf dem Geissberg die erste «Beamtensiedlung» für Büromitarbeitende, die den sozialen Unterschieden ihrer Zeit mit grösseren und komfortableren Wohnungen Ausdruck verlieh.
Bis in die 1970er-Jahre baute GF sein Engagement stetig aus. Zu Beginn des Jahrzehnts, am Höhepunkt des Standorts, arbeiteten in Schaffhausen 6'670 Mitarbeitende, denen über 1'000 Wohnungen in Schaffhausen und Umgebung zur Verfügung standen. Darüber hinaus unterstützte GF den Erwerb von Wohneigentum mit Darlehen, verkaufte Bauland, beriet Bauwillige kostenlos und beteiligte sich an Wohnbaugenossenschaften. In Singen, Mettmann und Brugg förderte das Unternehmen den Wohnungsbau ebenfalls. Auf die Gartenstadtsiedlungen der frühen Jahrzehnte folgten moderne Überbauungen wie der Bodenacker in Brugg oder das Eschengut in Schaffhausen.
Ende der 1970er-Jahre setzte ein Wandel ein. Sinkende Personalbestände aufgrund von Produktionsverlagerungen, steigende Renovationskosten und ein veränderter Zeitgeist führten zu einem Kurswechsel. Mit der Gründung der GF Immobilien AG 1982/83 rückte die ökonomische Bewirtschaftung der Liegenschaften an die Stelle des sozialen Wohnungsbaus für Mitarbeitende. Zahlreiche, zum Teil denkmalgeschützte Siedlungen prägen bis heute das Stadtbild und erinnern an ein Kapitel der Unternehmensgeschichte, in dem GF nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch ein Zuhause schuf.