Heike Weber

Müllströme, Müllrecycling und das «Rohproduktengewerbe» als Wiederverwerter am Anfang des 20. Jahrhunderts


Ferrum 85/2013

The article looks at whether and to what extent the concept of “waste recycling”, in other words reintegrating waste products in manufacturing (trade, industry, agriculture) by undertaking various material transformations, as well as the idea of waste flow management to prevent any leftovers, were present in the early 20th century and not only since the 1970s when “green” recycling became popular. This is not a case of assessing the success of waste recycling, but rather to show that already the recycling of the first half of the 20th century was not only guided by economic rationality. It is true that the rag trade, or the so-called second-hand industry, who were the main players in recycling at that time, was governed by the price of scrap and was a means of earning money for the poorest of the poor, but many contemporaries saw such efforts as an opportunity to use things and materials “properly” because they would be kept in an ostensibly “natural” material cycle, what we today would call “recycling“.


Der Beitrag fragt danach, ob und inwiefern Müll- «recycling», also das mit je unterschiedlichen stofflichen Transformationen vorgenommene Wiedereingliedern von Abfällen in die Produktion (Gewerbe, Industrie, Landwirtschaft),  sowie die Vorstellung, über eine solche Kreislaufführung von Müll sogar sämtliche Reste zu vermeiden, Konzepte und Ideen sind, die bereits am Anfang des 20. Jahrhunderts zu gegen waren, also nicht erst mit dem «grünen» Recycling von Müll seit den 1970er-Jahren aufkamen. Dabei geht es im Folgenden nicht darum, den Erfolg der Wiederverwertung von Müll zu beurteilen. Vielmehr wird gezeigt, dass bereits das Recycling der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht nur auf ökonomischer Rationalität fusste. Zwar richtete sich der Altstoffhandel bzw. das sogenannte Rohproduktengewerbe als Hauptakteur des Recyclings beim Wiederverwerten nach Altstoffpreisen aus, und Recycling war für die Ärmsten der Armen eine Verdienstmöglichkeit. Aber viele Zeitgenossen sahen in einer solchen Wiederverwertung auch die Möglichkeit, Dinge und Stoffe «richtig» auszunutzen, weil sie über das, was wir heute «Recycling» nennen würden, in einem angeblich «natürlichen» Stoffkreislauf gehalten werden würden.


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