Provenienzen

Welche Vorbesitzer hatte ein Buch?

Exlibris geben Hinweise auf die Vorbesitzer des Buches (Quelle: Signatur EM/Rf 54)Exlibris (Quelle: Signatur EM/Rf 54)

Im Laufe der letzten Jahre haben auch Bibliotheken der Erforschung der Provenienzen (Herkunft) ihrer Bestände immer grössere Aufmerksamkeit geschenkt. Die Frage nach dem Vorbesitzer oder den Vorbesitzern eines Buches hat anlässlich der Identifizierung und Rückgabe von Raubgut aus der NS-Zeit auch in der Presse ein grosses Echo gefunden.

Das Interesse für die Herkunft eines Buches geht aber darüber hinaus und betrifft (fast) jedes Buch, vor allem die alten und seltenen Drucke. Je älter ein Buch, desto wechselvoller war möglicherweise seine Geschichte, desto häufiger hat es möglicherweise schon seine Besitzer gewechselt. Diese können im Buch Spuren hinterlassen haben wie z.B. Autogramme, Exlibris, Stempel, Kauf- und Geschenkeinträge, Preise, Orts- und Datumsangaben, Motti, Merkverse, Alltagsnotizen, Lesespuren, Widmungen, Signaturschilder oder verzierte Einbände. Das Buch hat in diesem Fall nicht nur einen Inhalt, sondern es ist auch ein «Gebrauchsraum» (Annelen Ottermann).


Provenienzen in der Eisenbibliothek

Stempel geben Hinweise auf die Vorbesitzer des Buches (Quelle: Signatur Rk 717)Stempel (Quelle: Signatur Rk 717)

Eine systematische Erfassung der Provenienzen hat in der Eisenbibliothek bis dato nicht stattgefunden. Erst seit kurzer Zeit werden in Neuerwerbungen vorgefundene Provenienzmerkmale im Katalog in einer Fussnote festgehalten - dabei handelt es sicher aber um wenige Einzelfälle. Langfristig ist geplant, zumindest bei den Neuerwerbungen und in ausgewählten Bereichen des Altbestands die Provenienzmerkmale strukturiert und normiert zu erschliessen. Die Provenienzmerkmale sollen mit dem Thesaurus der Provenienzbegriffe (T-PRO) und den Normdaten der Gemeinsamen Normdatei (GND) beschrieben und verknüpft werden, um im Katalog gezielt nach Provenienzen recherchieren zu können.


Bücher aus der Bibliothek von Ernst Mach

Stempel und Namenseintrag von Ernst Mach (Quelle: Signatur EM/Rf 12)Stempel und Namenseintrag von Ernst Mach (Quelle: Signatur EM/Rf 12)

Nur in Einzelfällen ist zum jetzigen Zeitpunkt bekannt, wer die Vorbesitzer unserer Bücher waren. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn eine grössere Anzahl von Büchern von demselben Vorbesitzer übernommen wurde oder wenn der Vorbesitzer besonders prominent war. Beides gilt für den berühmten Physiker Ernst Mach (1838-1916), zu dessen Bibliothek einst folgende Bücher gehörten, die sich heute in der Eisenbibliothek befinden:

  • Operum Aristotelis stagicitae philosophorum omnium congé principis
    nova editio Graecè et Latiné. [Lugduni] : Laemarius, 1597
  • Otto de Guericke: Experimenta nova <ut vocantur> Magdeburgica de vacuo spatio. Amstelodami : Waesberge, 1672
  • Isaac Newton: Philosophiae naturalis principia mathematica. Londini : Streater, 1687
  • Heinrich Rose: Handbuch der analytischen Chemie. 3. Aufl. Berlin : Mittler, 1833-1834
  • Theodor Scheerer: Lehrbuch der Metallurgie. Braunschweig : Vieweg, 1848-1853
  • Friedrich Wöhler: Practische Übungen in der chemischen Analyse. Göttingen : Dieterich, 1853
  • Les Manuscripts de Léonard da Vinci : publiés en facsimiles
    phototypiques. Paris : Quantin, 1881-1891
  • Georg W. A. Kahlbaum und August Hoffmann: Die Einführung der Lavoisier’schen Theorie im besonderen in Deutschland. Leipzig : Barth, 1897
  • Georg W. A. Kahlbaum und Ed. Schaer: Christian Friedrich Schönbein, 1799-1868 : ein Blatt zur Geschichte des 19. Jahrhunderts. Leipzig : Barth, 1899
  • Henrik G. Söderbaum: Berzelius’ Werden und Wachsen : 1779-1821. Leipzig : Barth, 1899