«Beschreibung Der Exulanten- und Bergstadt Johann Georgen Stadt» (1723)

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Johann Christian Engelschall: Beschreibung Der Exulanten- und Bergstadt Johann Georgen Stadt : In vier Theilen vorstellende, I. Der Exulanten Zustand und wohin sie sich gewendet. II. Der Stadt Anbau, Wachsthum und darinnen vorgefallene Begebenheiten. III. Den dasigen Bergbau, dessen Ursprung, fündige Metallen und sämtliche Zechen. IV. Das eingepfarrte Hammerwerck Wittichsthal, wie auch die Obere- und Untere- Jugel. Leipzig : Lanckisch und Kircheisen, 1723

Das Erzgebirge war eines der wichtigsten Bergbaureviere in der Frühen Neuzeit. In seinem Zentrum gründeten 1654 Exulanten, also Flüchtlinge, aus Böhmen Johanngeorgenstadt, das sich in kürzester Zeit zu einem florierenden Bergbaustandort entwickelte. Nach wenigen Jahrzehnten waren bereits einhundert Eisenerzgruben in Betrieb. Später kamen Zinn und Silber hinzu, nach dem Zweiten Weltkrieg Uran. Das Buch gibt eine detaillierte Beschreibung einer boomenden Bergbaustadt im 18. Jahrhundert.

Ansicht von JohanngeorgenstadtAnsicht von Johanngeorgenstadt

Es handelt sich um die erste Ausgabe der augenscheinlich ersten Beschreibung der grossen Bergbausiedlung Johanngeorgenstadt im Herzen des sächsischen Erzgebirges an der Grenze zur Tschechischen Republik. Dies ist ein seltenes Werk. In den Bibliothekskatalogen findet sich kein einziges Exemplar in Nordamerika. Dafür sind etwa 25 Exemplare in Europa verzeichnet. Der Bergbau begann in Johanngeorgenstadt im 17. Jahrhundert, und 1680 gab es schon an die 100 Silber-, Eisen- und Zinnminen in der Stadt und ihrer Umgebung. Ebenfalls zu erwähnen ist die Tatsache, dass der Chemiker Martin Heinrich Klaproth 1789 in der Georg-Wagsfort-Fundgrube von Johanngeorgenstadt erstmals das Element Uran entdeckte.

Ansicht von Johanngeorgenstadt (Ausschnitt)Ansicht von Johanngeorgenstadt (Ausschnitt)

Das Buch beschreibt die Stadt, ihre Gebäude, ihr phänomenales Wachstum im 17. und frühen 18. Jahrhundert (heute hat die Stadt 90 Prozent ihrer Einwohner wieder eingebüsst), die Bergwerke und ihre Produktion (sehr detaillierte Angaben) und die Metallverarbeitung (auch diese wird sehr eingehend beschrieben). Die Kupferstiche zeigen die Stadt, ihre Bauwerke und die Standorte der Bergwerke.

Der Band entält eine aufklappbare Ansicht der Stadt und einen aufklappbaren Plan der Stadt und ihrer Umgebung (Kupferstiche). Titelaufdruck in Rot und Schwarz. Kleines Quarto, zeitgenössicher Halbpergament- Einband, mit Kleisterpapier bezogen (leicht vergilbt).

Stempel der «I.F.H. Schlosser Bibl.» (einer privaten Bibliothek) auf der Rückseite des Titelblatts. Aus dem Bestand von Carl Sahlin (1861-1943), einem Industriellen und Verfasser von Werken über Bergbaukunde und Metallurgie. Die Beschreibung des Buches drucken wir mit freundlicher Erlaubnis des Antiquars Jonathan A. Hill (New York City) ab, bei dem das Buch erworben wurde.