Engelbert Kaempfer: The History of Japan (1727)

Das lateinische Titelblatt von "The History of Japan" (Quelle: Eisenbibliothek, Signatur: EM/Rb 4q)Das lateinische Titelblatt von "The History of Japan" (Quelle: Eisenbibliothek, Signatur: EM/Rb 4q)

The history of Japan: giving an account of the ancient and present state and government of that empire; of its temples, palaces, castles and other buildings; of its metals, minerals, trees, plants, animals, birds and fishes; of the chronology and succession of the emperors, ecclesiastical and secular; of the original descent, religions, customs, and manufactures of the natives, and of their trade and commerce with the Dutch and Chinese [...]. London: Scheuchzer 1727.

Einführung

Engelbert Kaempfer wurde in Deutschland in als Sohn eines Pastors geboren. Die während seiner Jugend erlebten Hexenverfolgungen hinterliessen in ihm einen tiefen Eindruck über menschliches Verhalten. Obschon seine Familie nicht reich war, hatte sie eine gute Bibliothek, wo er in einem Werk von Adam Olearius Berichte über dessen Reise als Botschafter an den persischen Hof las,

was wohl sein Interesse an Reisen in den Osten geweckt haben könnte. Nach dem Studium einer Anzahl von Fächern an verschiedenen Universitäten wie Thorn, Krakau, Warschau Danzig und Königsberg konzentrierte er sich schlussendlich auf Medizin und Botanik, um danach an den schwedischen Hof zu ziehen, wo er seine Studien an der Universität von Uppsala fortsetzte.

Entdeckungs- und Beobachtungsreisen

Mit einer schwedischen Delegation reiste Engelbert Kaempfer 1683 via Moskau an den Hof des Schahs von Persien. Danach trat er in den Dienst der Holländisch-Ostindischen Companie und reiste via Indien nach Batavia in Indonesien. Dort studierte er alle erhältlichen Quellen über Japan, das damals der Aussenwelt nicht zugänglich war. 1690 ergab sich eine Möglichkeit und er reiste nach Japan, wo er sich in Nagasaki niederliess. Zu dieser Zeit mussten alle Ausländer auf einer winzigen, der Stadt Nagasaki vorgelagerten und nur über eine streng bewachte Brücke zugänglichen Insel mit dem Namen Deshima aufhalten. Ausser für spezielle Anlässe war es den Ausländern unter Todesstrafe verboten, die Insel zu verlassen. Während seines Aufenthalts machte er mit der holländischen Delegation zwei Reisen nach Edo (dem heutigen Tokio), um dem Shogun (dem militärischen Führer Japans) Tribut zu zollen. Während dieser Reisen schrieb er extensiv und seine Notizen und Zeichnungen bildeten die Grundlage für seine „History of Japan“.

Dank seinem Wissen in Disziplinen wie Mathematik, Astronomie, Naturwissenschaften und Medizin kann Kaempfer als die erste Person gelten, der Ländern in Asien, die doch sehr unterschiedlich zu Europa sind, mit einem wissenschaftlichen Ansatz begegnet ist, . Als ausgebildeter Arzt konnte er in vielen Fällen helfen, wo die traditionelle lokale Medizin nicht ausreichte, und als Naturwissenschaftler mit einer begnadeten Beobachtungsgabe hielt er minutiös die Details fest. Trotz der damals strikten Regel des Shogunats, dass keine Information über Japan an Ausländer gelangen dürfen (es war strengstens verboten, Skizzen von militärischen und anderen wichtigen Einrichtungen anzufertigen), machte Kaempfer Skizzen, die er mit arabischer Schrift versah und so der Zensur entkamen. Die aus Japan von Kaempfer mitgebrachten Informationen waren in ihrer Fülle und Genauigkeit sensationell. Dank seiner Kindheitserfahrungen war er in der Lage, über Dinge zu urteilen, wie sie wirklich waren. Seine Originalaufzeichnungen waren nicht beeinflusst von damals vorherrschendem religiösem Gedankengut.

Das englische Titelblatt von Volume I (Quelle: Eisenbibliothek, Signatur: EM/Rb 4q)Das englische Titelblatt von Volume I (Quelle: Eisenbibliothek, Signatur: EM/Rb 4q)

Das Schicksal von Kaempfers Aufzeichnungen

Nachdem er sich 1693 zuerst in Holland aufhielt, wo er seine Dissertation vorbereitete und 1694 den Doktortitel erhielt, kehrte er in sein heimatliches Deutschland zurück. Der Dienst als Leibarzt eines Lokalfürsten (in Detmold) liess ihm nicht viel Zeit, an der geplanten Publikation weiterzuarbeiten. Während der letzten vier Jahre seines Lebens konnte er keinen Verleger für seine Manuskripte finden. Nach seinem Tod im Jahr 1716 erbte sein Neffe das gesammelte Material sowie die für die Publikation bestimmten Unterlagen. Wegen finanzieller Nöte musste dieser jedoch alle Manuskripte und Sammlungen verkaufen. In der Folge wurden sie von Sir Hans Sloane in London aufgekauft, der selber ein berühmter Wissenschaftler und Sammler von Literatur über Wissenschaften und Entdeckungen war.

Sir Hans Sloane beauftragte den jungen Schweizer Johann Caspar Scheuchzer, die gesammelten Informationen über Japan ins Englische zu übersetzen. Da Caspar Scheuchzers Muttersprache nicht Englisch war, musste dieser oft um Rat nachfragen. Dadurch und durch die Tatsache, dass Kaempfer positiver über Japan berichtete als es damals dem allgemeinen Empfinden entsprach, ergaben sich im Vergleich zum OriginaltextÄnderungen oder gar Auslassungen , speziell was Bemerkungen zum Verhalten der Heiden angeht, und dass gewisse Aspekte (hauptsächlich religiöser und rechtlicher Natur) vernünftig erscheinen. Als man 1727 die „History of Japan“ publizierte, wurde sie ein unmittelbarer Erfolg: Mit 12 Auflagen muss sie als absoluter Bestseller gelten. Es lohnt sich durchaus, die Originalausgabe mit ihren vielen Details und Bildern anzusehen. Da das Werk nicht aus der Bibliothek ausgeliehen werden kann, mag das Lesen des ganzen Buches mühsam erscheinen. Dagegen ist die revidierte Ausgabe von Beatrice Bodart-Bailey einfacher zu lesen und enthält die meisten wichtigen Bilder und Darstellungen. Der einzige Nachteil besteht vielleicht darin, dass nicht alle Bilder enthalten sind und der Text nicht zur Gänze abgedruckt wurde.


Werfen Sie einen Blick auf die Kupfertafeln!

Zu den Kupfertafeln
Zu den Tafeln