Christian Zumbrägel

Gleichzeitigkeit des Ungleich(zeitig)en

Wissensformen der (Klein)wasserkraft im 19. und frühen 20. Jahrhundert


Ferrum 86/2014

Über viele Jahrhunderte prägte die energetische Nutzung der Fliessgewässer durch Wassermühlen mit Wasserradantrieb den Charakter unserer Kulturlandschaft. Schon in der Antike bekannt, avancierte die Wasserkraft in Spätmittelalter und Früher Neuzeit zum vorherrschenden Energiespender diverser gewerblicher Verarbeitungsprozesse. Die industriellen Transformationsprozesse im 19. Jahrhundert beförderten schliesslich gewaltige Veränderungen in der Entwicklung und Nutzung von Wasserkraftmaschinen. Im Laufe des Jahrhunderts traten neue Protagonisten an die Stelle des praktischen Mühlenbauers sowie des Mühlrades. Turbineningenieure dominierten fortan die Debatte um die innovativen Errungenschaften auf Grundlage wasserkrafttechnischer Forschung. Auf der Suche nach der Gleichzeitigkeit des Ungleich(zeitig)en werde ich der These nachspüren, dass traditionelle Wissensformen der Kleinwasserkraft – das praktische, intuitive und an örtliche Gegebenheiten gebundene Wissen der vorindustriellen «Mühlenbaukunst» – auch zum Übergang ins 20. Jahrhundert von Relevanz blieben und sich auf neuartige Weise mit jüngeren Wissensformen – z. B. dem versuchsbasierten Methodenrepertoire der Technikwissenschaften – vermengten.


Harnessing the energy of watercourses by means of water-driven mills shaped our cultural landscape for many centuries. Hydropower was already used in antiquity and became the predominant source of energy in diverse fabrication processes in the late Middle Ages and the early modern age. The industrial transformation processes of the 19th century eventually brought about tremendous changes in the development and use of hydroelectric machinery. In the course of the century, new protagonists took the place of the hands-on millwright and of the water wheel. From this time on, turbine engineers dominated the debate surrounding the innovative achievements based on water power engineering research. In search of the simultaneity of the non-simultaneous, I will explore the thesis that the traditional forms of knowledge embodied in small hydropower plants – the practical, intuitive and localized knowledge of pre-industrial “mill architecture” – continued to be relevant at the turn of the 20th century and blended in novel ways with newer forms of knowledge – e.g. the experimental methodology of engineering science.


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