39. Technikgeschichtliche Tagung 2016

Künstliche Stoffe. Die synthetische Umformung der Welt

18. und 19. November 2016

Call for Papers

581242Stoffanalyse im Zentrallabor von GF in Schaffhausen, 1958

Am 18. und 19. November 2016 findet im Klostergut Paradies in Schlatt bei Schaffhausen (Schweiz) die 39. Technikgeschichtliche Tagung der Eisenbibliothek (TGT) statt. Sie bietet seit 1978 jährlich eine ausgezeichnete Plattform des Austauschs zwischen Forschung, Lehre und Industrie. Die Referentinnen und Referenten sowie die geladenen Gäste kommen aus Universitäten, Bibliotheken, Sammlungen und Museen oder bringen ihre wirtschaftliche und industrielle Praxis ein. Die Bandbreite der Referate und ihr Aktualitätsbezug zeichnen diese internationale und interdisziplinäre Veranstaltung besonders aus.

Die Veranstaltung wird von der Eisenbibliothek, Stiftung der Georg Fischer AG, organisiert. Für die inhaltliche Gestaltung der Tagung verantwortlich ist ein wissenschaftlicher Beirat, dem Kilian T. Elsasser (Museumsfabrik Luzern), Dr. Gisela Hürlimann (ETH Zürich), Prof. Dr. Reinhold Reith (Universität Salzburg) und Prof. Dr. Friedrich Steinle (TU Berlin) angehören. Sie entscheiden über die Aufnahme der Referentinnen und Referenten.

Wir laden Interessierte aus Forschung, Vermittlung und Lehre ein, sich als Referentinnen und Referenten zu bewerben.

Tagungsthema 2016:

Künstliche Stoffe. Die synthetische Umformung der Welt

Ausgangspunkt der Stoffnutzung waren – universalgeschichtlich gesehen – natürliche, d.h. der Natur entnommene Stoffe, die der homo faber formte und weiter verarbeitete. In der Technikgeschichte haben insbesondere die Produktionstechnik bzw. die maschinelle Formveränderung von Stoffen und die Nutzung der damit eröffneten neuen Möglichkeiten starkes Interesse gefunden. Im Rahmen der TGT 2016 sollen dagegen die Stoffe selbst und die Stoffumwandlung im Zentrum der Diskussion stehen. Im Fokus stehen die künstlichen Stoffe, bzw. die Modifikation natürlicher Stoffe bis zur Kreation, Entwicklung, Produktion und Nutzung synthetischer Stoffe: Dabei soll historisch ein weiter Bogen gespannt werden – von den ersten Legierungen über die Alchemie (in der schon immer Spezialisten für Stoffumwandlung und neue Stoffe am Werke waren) und die Synthese neuer Farbstoffe bis hin zur Kunststoff-Revolution des 20. Jahrhunderts. Einzelne Stoffe wie Lacke/Harze, Glas, Porzellan und andere können ebenso behandelt werden wie der Stuck(-Marmor), den man aufgrund seiner Formbarkeit als «Kunststoff des Barockzeitalters» bezeichnen könnte. Zahlreiche künstliche Stoffe fungierten als Surrogate oder auch als Imitate. Hohe Preise, Verknappungen oder auch die beschränkte Verfügbarkeit auf dem Weltmarkt mündeten in Syntheseverfahren im Sinne industrieller Stoffumwandlung wie z.B. bei Farben, Pharmazeutika, Kautschuk, Fetten, Textilien und nicht zuletzt bei den Kunststoffen im engeren Sinne, die in letzter Konsequenz auch auf eine Abkoppelung von der Naturproduktivität zielten.

Eine solche «longue durée» in der Betrachtungsweise der Entwicklung künstlicher Stoffe lässt nicht ausser Acht, dass durch neue Syntheseverfahren der Output von und die Nachfrage nach Kunststoffen seit den 1950er-Jahren explodiert sind. Die jüngere Zeit hat auch im Bereich des Maschinenbaus, der Haus- und Fahrzeugtechnik sowie der Netzinfrastrukturen einen Boom an synthetischen Materialien erlebt. Im Kontext der dritten industriellen Revolution wurden diese mit digital gesteuerten Produktionsverfahren verbunden und sollen sich in der neuesten Phase als hybride Natur-Kunst-Produkte und smart materials ihrer Umwelt flexibel anpassen.

Parallel zu den Chancen der künstlichen Stoffe – ihrer Überlegenheit gegenüber Naturstoffen (Reinheit, Farbe etc.) und ihrer leichten Verfügbarkeit – entstanden aber auch neue Herausforderungen wie etwa für Mensch und Umwelt gefährliche Produktionsweisen, die Emission von Schadstoffen in Luft, Böden und Gewässer, die Problematik der Obsoleszenz sowie eine weltweite (Plastik-)Müllkrise; all dies kann ebenfalls Gegenstand von Referaten und Diskussion sein.

Format

Die Vorträge können auf Deutsch oder Englisch gehalten werden und sollten 20 Minuten nicht überschreiten. Es besteht die Möglichkeit, die Beiträge, die nach wissenschaftlichen Standards aufbereitet sind, in der von der Eisenbibliothek jährlich herausgegebenen Fachzeitschrift Ferrum zu publizieren.

Exposés

Interessierte Bewerberinnen und Bewerber sind herzlich eingeladen, ihr Exposé im Umfang von max. zwei A4-Seiten (bzw. 4‘000 Zeichen) in Deutsch oder Englisch und einen aktuellen Lebenslauf bis zum 31. März 2016 in elektronischer Form an die Leiterin der Eisenbibliothek, lic. phil. Franziska Eggimann (franziska.eggimann@georgfischer.com), einzureichen.

Organisatorisches

Die Reisespesen der Referentinnen und Referenten sowie die Kosten für Unterkunft und Verpflegung während der Tagung werden von der Eisenbibliothek, Stiftung der Georg Fischer AG, übernommen. Wir erwarten, dass die eingeladenen Referentinnen und Referenten an der gesamten Tagung teilnehmen.

Termine

Wir bitten Sie, Ihr Exposé bis zum 31. März 2016 einzureichen.

Die Auswahl der Referentinnen und Referenten erfolgt bis spätestens Ende Mai 2016.

Kontakt

Franziska Eggimann
Leiterin Eisenbibliothek und Konzernarchivarin Georg Fischer AG
franziska.eggimann@georgfischer.com

 

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